"Konzeptentwicklung: Prävention von Konflikteskalationen am Arbeitsplatz" lässt neue Erkenntnisse für die Konflikt- und Mobbingprävention erwarten
Information über den Stand des Projektes
In der Fachliteratur wird bei der Betrachtung von Mobbingfällen überwiegend auf die Betroffenen fokussiert: Gefragt wird beispielsweise nach Handlungen, die sie erlebt haben, und Auswirkungen, die sie erlitten. Zudem wird abgewogen, mit welchen Aktivitäten sich Betroffene gegen Attacken zur Wehr setzen können und welche Möglichkeiten die betriebliche Interessenvertretung oder auch externe Einrichtungen zur Unterstützung der Betroffenen haben. Nicht selten wird dabei betont, dass die Entwicklung von Mobbingfällen einem Muster folgt, auch wenn sich die einzelnen Fälle stark unterscheiden. Verändert sich der Fokus dadurch, dass das System, in dem Mobbing existiert, betrachtet wird, tritt der Entstehungsprozess stärker in den Mittelpunkt: Dadurch lassen sich individuelle, soziale und strukturelle Faktoren daraufhin überprüfen, ob bzw. wann sie eskalierend oder deeskalierend wirken.
Diese Herangehensweise steht im Mittelpunkt des Projektes „Konzeptentwicklung: Prävention von Konflikteskalationen am Arbeitsplatz“, das durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW und die Europäische Union gefördert wird. Bearbeitet wird es von Bärbel Meschkutat und Martina Stackelbeck von der Sozialforschungsstelle in Dortmund. Ziel des Projektes ist die Entwicklung einer umfassenden, praxisorientierten und wissenschaftsgestützten Handlungshilfe für Füh-rungskräfte und betriebliche Interessenvertretungen, die organisationsspezifische Anhaltspunkte für Diagnose, Intervention und Prävention von Konflikteskalationen und Mobbing bietet. Eine Besonderheit des Projektes ist der systemische Analyseansatz: In fünf gezielt ausgewählten Organisationen werden individuelle, soziale und strukturelle Faktoren analysiert, durch die Konflikt- bzw. Mobbingprozesse an Dynamik gewinnen oder verlieren. Dabei sind alle beteiligten Akteur/innen, also neben den so genannten „Opfern“ (männliche und weibliche Mobbingbetroffene) auch die so genannten "Täter" (männliche und weibliche Mobber) sowie das kollegiale Umfeld, Vorgesetzte, Führungskräfte, betriebliche Interessenvertretung etc. in die Erhebungen einbezogen.
Die Untersuchungen in den fünf Organisationen sind abgeschlossen und die darauf basierenden Gutachten erstellt. Sie beinhalten Konfliktanalysen und Empfehlungen für eine Arbeit an der Lösung der Konflikte. Auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt noch keine abschließenden Ergebnisse der wissenschaftlichen Querauswertung vorliegen, haben sich einige Thesen bereits bestätigt:
- Für Konflikte bis hin zu Mobbing sind in der Regel keine Einzelpersonen verantwortlich und
- Mobber sind in der Regel keine skrupellosen Akteure, die vorsätzlich anderen Leid zufügen wollen.
Für die Entwicklung der Handlungshilfe sind diese Erkenntnisse von erheblicher Bedeutung, weil sie das Spektrum der Ansatzpunkte für Diagnose, Intervention und Prävention deutlich erweitern.
Die Ergebnisse des Projektes - weitere Erkenntnisse, die die Konflikt- und Mobbingforschung bereichern sowie das entwickelte Instrument - werden im kommenden Jahr veröffentlicht.
Ansprechpartnerinnen:
Bärbel Meschkutat
Landesinstitut Sozialforschungsstelle Dortmund
Evinger Platz 17
44339 Dortmund
Tel.: +49 (0) 231 / 85 96 - 2 44
E-Mail: meschkutat@sfs-dortmund.de
Martina Stackelbeck
Landesinstitut Sozialforschungsstelle Dortmund
Evinger Platz 17
44339 Dortmund
Tel: +49 (0) 231 / 85 96 - 1 41
E-Mail: stackelbeck@sfs-dortmund.de