


Wie kann die Politik dazu beitragen, dass die Arbeit in Unternehmen und Verwaltungen in einer Weise gestaltet wird, die Kreativität, Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung und Erfolgsorientierung der Beschäftigten im Sinne nachhaltiger Innovations- und Beschäftigungsfähigkeit optimal fördert? Diese Frage war Gegenstand eines Parlamentarischen Abends, den die Sozialforschungsstelle Dortmund und das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), Stuttgart, am 19. September in Berlin veranstalteten. Unterstützt wurden sie dabei von der Dortmunder Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung Ulla Burchardt (SPD) sowie vom Berichterstatter für Arbeitsforschung der SPD-Bundestagsfraktion Willi Brase, MdB. Unter den insgesamt 60 Teilnehmern und Teilnehmerinnen waren 30 Bundestagsabgeordnete sowie verantwortliche Angehörige der Bundesministerien für Bildung und Forschung bzw. für Arbeit und Soziales, Verbandsvertreter und Führungskräfte aus Unternehmen und Gesellschaft.
![]() |
![]() |
![]() |
Der Abend wurde von Ulla Burchardt eröffnet. In ihrer Rede betonte sie, dass Qualität und Organisation der Arbeitsprozesse entscheidend seien für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Eine praxis- und gestaltungsorientierte Arbeitsforschung sei deshalb unverzichtbar. Bundesarbeitsminister und Vizekanzler Franz Müntefering ergriff die Gelegenheit, die Anwesenden über die vom Bundeskabinett in seiner Sommerklausur beschlossene Initiative für ein neues Programm zur „Humanisierung der Arbeitswelt“ zu informieren. Die Bundesregierung sei besorgt über die durch aktuelle Studien belegten Hinweise auf neue, vorwiegend psycho-soziale Belastungen am Arbeitsplatz, die nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten schädigten, sondern auch die Produktivität der Unternehmen gefährdeten. Die moderne Arbeitswelt stelle ganz neue Anforderungen an die Unternehmen und an die Arbeitskräfte, denen mit Hilfe von Forschung und Entwicklung zur Arbeitsgestaltung nachgegangen werden müsse. Diese Stichworte griff in seiner Einführung in das Thema des Abends Prof. Dr. Jürgen Howaldt, Geschäftsführender Direktor der Sozialforschungsstelle Dortmund auf.
Es gelte, das bereits erreichte hohe Niveau der Arbeitsforschung in Deutschland zu halten und auszubauen; die anderen europäischen Länder hätten auf diesem Gebiet große Fortschritte gemacht. „Wir sind nicht schlechter geworden, aber die anderen sind besser geworden.“
![]() |
![]() |
In seinem Hauptvortrag erläuterte Prof. Dr. Dr. Spath, Leiter des IAO, aktuelle Anforderungen an die Arbeitsforschung und -gestaltung. Auch er hob hervor, dass ohne weitere gezielte Anstrengungen für eine innovationsförderliche Arbeitsgestaltung in den Unternehmen Deutschland bald seinen Rang im internationalen Innovationsranking einbüßen werde.
In einer anschließenden Podiumsdiskussion erläuterten fünf Führungskräfte und ein Betriebsratsvorsitzender aus Unternehmen unterschiedlicher Ausrichtung Waltraud Dehning–van Lammeren, BRANTA Expert Net Consulting GmbH, Oberursel; Gotthold Keilberg, Rubersteinwerk GmbH, Lichtenstein/ Sachsen; Dr. Georg Kinnemann, Siemens ElectroCom Postautomation GmbH, Berlin; Prof. Dr. Rolf Reppel, ThyssenKrupp Services AG, Düsseldorf; Rainer Storch, AEM - Anhaltische Elektromotorenwerk Dessau GmbH und Rainer Wietstock, John Deere Werke Mannheim ihre Erfahrungen mit innovationsförderlicher Arbeitsgestaltung. Sie unterstrichen einhellig die Bedeutung der MitarbeiterInnen sowie einer lebendigen Unternehmenskultur für die Sicherung der Innovationsfähigkeit ihrer Unternehmen. „Die traditionellen Werkzeuge der Arbeitsgestaltung und Personalentwicklung – so Prof. Reppel – „übernehmen wichtige Funktionen bei der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.“ Dabei kommt der Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen zur Entwicklung neuer Produkte und zur Verbesserung der betrieblichen Prozesse eine wachsende Bedeutung zu.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum war Gelegenheit, einige grundsätzliche Fragen zur Bedeutung von Forschungsförderprogrammen des BMBF zur Arbeitsforschung wie das aktuell unter dem Titel „arbeiten – lernen – Kompetenzen entwickeln. Innovationsfähigkeit in einer modernen Arbeitswelt“ laufende Programm zu erörtern. Diskutiert wurde u.a., warum die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zur Unterstützung der Innovationsfähigkeit von Unternehmen öffentlicher Förderung bedarf. Aus Sicht der Podiumsteilnehmer und -teilnehmerinnen stehen die Unternehmen unter so widersprüchlichen Anforderungen, dass sie ohne externe Unterstützung durch Wissenschaft und Beratung gerade im Bereich der KMU heute kaum zu bewältigen sind. Dabei sind insbesondere die Synergieeffekte zwischen Qualität der angebotenen Produkte und Dienstleistungen auf der einen und der Qualität der Arbeit auf der anderen Seite immer wieder ins Bewusstsein zu rücken und auszubalancieren. Über das konkrete Projektziel hinaus tragen öffentlich geförderte Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im Wissenschaft-Praxis-Verbund zur Entwicklung von dauerhaften Kooperationsbeziehungen zwischen Unternehmen und Hochschulen und Forschungseinrichtungen bei. Damit leisten sie einen entscheidenden Beitrag zur Erhöhung der Zukunftsfähigkeit der beteiligten Unternehmen und zur Praxisorientierung der Wissenschaft.
In seinem den Abend abschließenden Fazit fasste der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung Andreas Storm, MdB zusammen: „Die Innovationsfähigkeit von Unternehmen hängt wesentlich von den Arbeitsbedingungen ihrer Beschäftigten ab. Arbeitsforschung und Arbeitsgestaltung können hier einen wichtigen Beitrag leisten.“
Download:
| Vortrag Prof. Dr. Spath: Stärkung der Innovationsfähigkeit - Herausforderungen für den Innovationsraum Arbeit [1,11 MB; PDF-Dokument] |
