Zukunft der Arbeit in Dortmund
Dokumentation der Veranstaltung am 11. Oktober 2007
Wie sieht die Arbeitswelt der Zukunft in Dortmund und Europa aus? Darüber diskutierten am 11.10.2007 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft gemeinsam mit ca. 120 TeilnehmerInnen im Rathaus Dortmund. Grundlage für die Diskussion bildeten die Ergebnisse des von der Wirtschaftsförderung Dortmund finanzierten und der Sozialforschungsstelle durchgeführten Projektes „Zukunft der Arbeit in Dortmund“. Beiträge zum regionalen, nationalen und europäischen Wandel der Arbeitswelt ermöglichten einen umfassenden Blick auf aktuelle Entwicklungen und mögliche Handlungsstrategien.
Zentrale Ergebnisse aus dem Projekt „Zukunft der Arbeit in Dortmund“:
Vor dem Hintergrund der tiefgreifenden Veränderungen der Arbeitswelt und des Wandels des Wirtschaftsstandortes Dortmund hat die Sozialforschungsstelle Dortmund im Auftrage der Wirtschaftsförderung eine Analyse der zentralen Entwicklungslinien des Dortmunder Arbeits- und Beschäftigungssystems durchgeführt. Ziel ist es, zukunftsweisende Trends genauer beschreiben zu können und Handlungsstrategien zu erarbeiten. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung unterschiedlicher Beschäftigungsformen wie Teilzeitarbeit, befristete Beschäftigung, Leiharbeit, Selbstständige etc.

Bei der branchenspezifischen Betrachtung liegt der Fokus exemplarisch auf der Gesundheitswirtschaft (personenbezogene Dienstleistungen), der Informations- und Kommunikationstechnik sowie der Metallindustrie. Damit stehen sowohl „neue“ als auch „traditionelle“ Branchen im Fokus des Projektes.
Zur empirischen Erhebung wurden zwei Teilprojekte definiert. Im Mittelpunkt des Teilprojektes I steht eine Analyse des Beschäftigungsvolumens und der Struktur der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Dortmund auf Basis von Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Regional Nordrhein-Westfalen (IAB)
Im Fokus des Teilprojektes II steht die Ausprägung und Entwicklung der nicht-standardisierten Beschäftigungsformen. Im Rahmen dieses Teilprojektes wurden eine standardisierte Unternehmensbefragung in den drei oben genannten Branchen sowie Experteninterviews mit Unternehmenspraktikern und betriebliche Fallstudien durchgeführt.
Ergänzend zu den beiden Teilprojekten wurden projektbegleitende Experten- und Branchenworkshops durchgeführt. Die Ergebnisse der Teilprojekte werden auf der Konferenz am 11.10.2007 im Rathaus Dortmund vorgestellt und diskutiert sowie in einem handlungsorientierter Abschlussbericht veröffentlicht.

Die Steuerung des Projektes erfolgt durch eine Arbeitsgruppe bestehend aus:
- Bundesagentur für Arbeit
- DGB – Östliches Ruhrgebiet
- Handwerkskammer Dortmund
- Industrie und Handwerkskammer zu Dortmund
- Stadt Dortmund – Wirtschaftsförderung
Ergebnisse
Die vorliegenden empirischen Ergebnisse der Untersuchungen zeigen:
- Der Bedeutungsverlust des klassischen Standardarbeitsverhältnisses ist auch in Dortmund spürbar:
Zwischen den beiden Stichtagen 30.06.2003 und 30.06.2006 ist über alle Wirtschaftszweige hinweg die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um 3,93 % in Vollzeitäquivalenten zurückgegangen. Während die Vollzeitbeschäftigung um 4,6 % zurückgegangen ist wächst Teilzeitbeschäftigung um 1,09 %. Parallel dazu sind die geringfügig Beschäftigten in Vollzeitäquivalenten über alle Wirtschaftszweige hinweg um 36,29 % gestiegen.

- Die Wahrnehmung des Wandels scheint – wie die Interviews mit Praktikern aus den Branchen zeigen – stärker ausgeprägt zu sein als die vorliegenden Statistiken vermuten lassen. Eine unbefristete Vollzeitbeschäftigung zählt in der Wahrnehmung vieler Befragten heute in vielen Segmenten des Arbeitsmarktes nicht mehr zum allgemeinen Standard. Gleichzeitig sind deutliche branchenspezifische Unterschiede auszumachen, die sich voraussichtlich vertiefen werden.
- Unbefristete Vollzeitarbeitsplätze bleiben – dies belegen die Ergebnisse der Unternehmensbefragung zu den Trends der Entwicklung der einzelnen Beschäftigungsformen – in Branchen wie dem produzierenden Gewerbe und der IT-Branche auch in Zukunft eine wichtige Option, um qualifizierte Fachkräfte dauerhaft zu binden.
Angesichts des demografischen Wandels und des sich abzeichnenden Fachkräftemangels wird die Fähigkeit der Unternehmen, qualifizierte Mitarbeiter anzuwerben und längerfristig an sich zu binden, zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor.
Darüber hinaus wird es für Unternehmen zukünftig wichtiger, attraktive Arbeitsplätze anbieten zu können. Gerade im Bereich qualifizierter Arbeitnehmer werden Fragen nach der „Qualität der Arbeit“ stärker an Bedeutung gewinnen werden.

- Zudem lassen sich deutliche Unterschiede nach Geschlecht, Alter und Qualifikation ausmachen. So ist Teilzeitarbeit weiterhin eine Domäne der Frauenerwerbsarbeit. Gerade bei Berufsneueinsteigern und Wiedereinsteigern ist der Befristungsanteil heute besonders ausgeprägt. Und über alle Branchen hinweg zeigt sich, dass geringer qualifizierte Beschäftigte stärker mit den nicht-standardisierten Beschäftigungsformen konfrontiert werden; sie sind höheren Risiken in Bezug auf Arbeitsplatzverlust und Wiedereinstieg ausgesetzt als hochqualifizierte Beschäftigte.
- Die Ergebnisse des Projektes lassen vermuten, dass das Thema Zukunft der Arbeit im Hinblick auf den Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Dortmund an Bedeutung gewinnen. Insbesondere das Thema Qualifizierung und die Schaffung innovativer Milieus in Arbeit- und Lebenswelt wird hier eine wichtige Rolle spielen.
Links
Downloads