Regionales Übergangsmanagement Schule – Arbeitswelt
Das traditionelle idealtypische Übergangsmuster definiert zwei Schwellen: die erste am Übergang von der Schule in die berufliche (in der Regel duale) Ausbildung, die zweite nach Abschluss der Ausbildung und Einstieg in die (in der Regel dauerhafte) Beschäftigung.
Einer großen Zahl von Jugendlichen gelingt der Einstieg in Ausbildung und Beschäftigung jedoch nur nach Absolvieren einer teilweise erheblichen Anzahl von Zwischen-Stationen. Normal ist heute eben nicht der nahtlose Übergang, die neue Normalität ist vielmehr ein komplexes System von ausbildungs- und berufsvorbereitenden Maßnahmen, das von Trainingsmaßnahmen, (vollzeit-)schulischen Qualifizierungsangeboten, Ersatzausbildungsgängen, Jobs, Arbeitsgelegenheiten, Praktika sowie Phasen der Arbeits- bzw. Erwerbslosigkeit reicht. Trotz dieser Ausdifferenzierung ist die tradierte Annahme eines reibungslosen Übergangs in eine berufliche Erstausbildung weiterhin eine vorherrschende Normalitätsvorstellung, sowohl bei den Akteuren im (Aus-)Bildungssystem als auch bei den Jugendlichen selbst.
Die Anerkennung dieser neuen – bei näherer Betrachtung mittlerweile etablierten – Normalität führt weg von alten Schuldzuweisungen wie “der Jugendliche ist selbst Schuld”, “die Elternhäuser versagen”, “die Schule bereitet nicht ausreichend auf die Ausbildung vor” und lenkt den Blick auf die Gestaltungsanforderungen dieser hoch ausdifferenzierten “Statuspassage”. Fragen der Qualität des Übergangssystems rücken damit in den Mittelpunkt der Debatten.
Aus dieser Situationsanalyse lässt sich ein Maßnahmebündel zur Neuausrichtung des Übergangssystem ableiten, dessen Wirkung und Wirksamkeit z. B. in Hinblick auf mehr Chancengleichheit und verbesserte Zugangschancen von Jugendlichen zur Arbeitswelt in der Praxis zu überprüfen sind:
Bereitstellung von mehr betrieblichen Ausbildungs- und Arbeitsplätzen sowie betrieblichen Praktika, , ggf. Umverteilung der zur Verfügung stehenden Plätze (Lernort Betrieb als knappes Gut);
neue Angebote zur Vermittlung von Selbstmanagementkompetenzen in den Schulen, die die Jugendlichen in die Lage versetzen, selbstbewusst und eigenverantwortlich/eigensinnig ihren Weg zu gehen ;
Gelegenheit für zweite und ggf. dritte Chancen, um einen Schulabschluss nachzuholen oder betriebliche Praxis zu erleben;
Einführung aufeinander aufbauender Maßnahmen zwischen Schule und Ausbildung/Erwerbstätigkeit, die die Motivation der Jugendlichen erhalten, stärken oder erst aufbauen und die sukzessive zu einer nachhaltigen Integration in Arbeit führen
Wie unsere Forschungsergebnisse zeigen, besteht ein aussichtsreicher Weg darin, in gemeinsamer Verantwortung der Einrichtungen und Akteure im Übergangssystem lokale Unterstützungsstrukturen vorzuhalten, die einen institutionellen Orientierungsrahmen bieten, z. B. den Überblick erleichtern und Transparenz schaffen. Lokale Unterstützungsstrukturen benötigen außerdem eine systematische Begleitstruktur entlang dieser Übergangswege, die von den Jugendlichen individuell und bedarfsgerecht zu nutzen sind. Besondere Bedeutung kommt dabei den Kommunen zu, die als lokale Koordinatoren die Steuerung dieses komplexen Systems im Sinne einer lokalen Verantwortungsgemeinschaft übernehmen.
Mit diesem Fokus werden im FB 3 Projekte initiiert und wissenschaftlich begleitet, die die Fähigkeit Einzelner zu eigenverantwortlichem und selbst gesteuertem Lernen in und außerhalb von Institutionen der (beruflichen) Bildung stärken. Übergänge zwischen allgemeiner Bildung, beruflicher Erstausbildung, Beschäftigung und Weiterbildung werden thematisiert, die Entwicklung von Verbünden und Netzwerken gefördert, um bisher getrennte Bildungsbereiche stärker zu verzahnen und veränderte Lernkulturen in der Region zu entfalten.
Projektbeispiele: