Industrielle Beziehungen
Sozialer Dialog
Sozialer Dialog – d.h. die Zusammenarbeit der Sozialparteien in den einzelnen Ländern, grenzüberschreitend und europäisch - gehört zu den zentralen Entwicklungsfeldern Europäischer Arbeitspolitik und ist damit ein wichtiger Schwerpunkt des Forschungsbereichs.
Als Beispiel sei hier eine im Rahmen des Europäischen Sozialdialogs Eisenbahnen durchgeführte Projektlinie erwähnt, in der ein im Jahre 2000/2001 von uns mit konzipiertes und 2005/2006 weiterentwickeltes Konzept zur Beschäftigungsfähigkeit fortgeführt und für die Entwicklung im europäischen Bahnsektor und der individuellen Berufsperspektive der dort Beschäftigten nutzbar gemacht wird (Rail-Employ).
In einer zweiten Projektlinie werden 2006/2007 im Sozialdialog Personenverkehr im Projekt „Qualitätsbasierte Kompetenzentwicklung im städtischen Nahverkehr“ (QSTP) mit europäischen Sozialpartnern die Spielräume für erweiterte Kompetenzprofile und neue Karrierepfade für FahrerInnen im städtischen Nahverkehr ausgelotet. Dabei kann an einem vorhandenen Kompetenzprofil, das 2002-2006 mit 16 Partnern im Leonardo-Projekt „conducteurs de transports urbains en europe“ (CTUE) entwickelt wurde, angeknüpft werden.
Neue Lernpartnerschaften zur Bewältigung des Strukturwandels (Learnpartner) sind ein weiteres wichtiges Thema im Bereich des sozialen Dialoges. In acht europäischen Ländern wurden durch das 5. Forschungsrahmenprogramm der EU geförderte neue Qualifizierungsarrangements zwischen den Sozialparteien in der europäischen Metall- und Stahlindustrie untersucht. Diese Projekte in europäischen Kooperationsverbünden zeigen, dass es zu einer deutlichen thematischen Erweiterung der Sozialen Dialoge kommt. Eingeschlossen werden zunehmend Fragen der Qualifizierung, der Kompetenzentwicklung und des Lebenslangen Lernens der Beschäftigten. Eine Auswahl an Beispielen guter Praxis findet sich in „Lebenslanges Lernen in der Europäischen Stahl- und Metallindustrie: Ergebnisse und Fallbeispiele aus dem Lernpartnerprojekt“.
Lebenslanges Lernen und Beschäftigungsfähigkeit der MitarbeiterInnen sind zentrale Bausteine des europäischen Sozialmodells. Beide Fragen entscheiden sich aber an den konkreten Arbeitsplätzen in den Betrieben. Hier setzen zwei Projekte zur Förderung von arbeitsplatznahem Lernen an, die gewerkschaftliche Basisaktivisten (Near-by Reps oder LernVertrauensLeute) in den Betrieben für eine neue Rolle qualifizieren, um ihre Kolleginnen und Kollegen zur persönlichen Weiterbildung zu motivieren und diese zu unterstützen. Aspekte neuer Lernarrangements spielen eine zentrale Rolle im laufenden Vorhaben zu Lernvertrauensleuten in vier Unternehmen der Arcelor–Gruppe. Abgerundet wird dieser Arbeitsschwerpunkt durch fortlaufende Beratung des Betriebsrats der Arcelor Stahlwerke Bremen auf dem Weg des dortigen Unternehmens in einen nicht nur europäisch, sondern global produzierenden Konzern.