Nachhaltigkeit in intermediären Organisationen
Der Fokus der nachhaltigkeitsbezogenen Forschung und Entwicklung hat sich von der Unternehmensebene (kleine und mittelständische Betriebe) auf die intermediären Mitgliederorganisationen verschoben. In dem von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Forschungsprojekt Gewerkschaften und Nachhaltige Entwicklung wurden Entwicklungspotenziale und Barrieren von Nachhaltigkeitsdialogen in Gewerkschaften untersucht. Als Fallbeispiel für diese erstmals für eine bundesdeutsche Gewerkschaft durchgeführte Untersuchung wurde die IG BAU ausgewählt. Sie hat den allgemeinen gesellschaftlichen Nachhaltigkeitsdiskurs in den 1990er Jahren vergleichsweise offen aufgegriffen und initiativ gestaltet. Sie hat parallel durch Kosteneinsparungen und Organisationsentwicklungsprozesse versucht, der stetigen Aushöhlung ihres Handlungspotenzials durch massive Mitgliederverluste im Bereich ihrer Kernklientelen entgegenzuwirken. In organisationssoziologischer Perspektive wurde zum einen untersucht, wie sich die IG BAU im gesellschaftlichen Nachhaltigkeitsdiskurs positioniert und profiliert hat und zum anderen in welchem Maße es ihr gelungen ist, nach innen einen Dialog über Nachhaltigkeit in Gang zu setzen und in einen Organisationsentwicklungsprozess zu überführen. Außerdem stellte sich die Frage nach den Wechselbeziehungen und –wirkungen zwischen den tiefgreifenden organisationellen Veränderungen und den dialogischen Aktivitäten im Bereich der Nachhaltigkeit besonders nachdrücklich. Letztere Fragestellung wurde in Kooperation mit dem FB 4 - Helmut Martens - produktiv bearbeitet. In 2007 ist vorgesehen, die Ergebnisse (Ammon/Kern/Martens/Meier 2006) im Bereich der IG BAU und darüber hinaus im Gewerkschaftskontext zur Diskussion zu stellen.